Winterthurer Stadtanzeiger, «O-Ton» vom 05. März 2013

Spricht man von der besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf, ist gemeinhin die Berufstätigkeit der Mütter gemeint. Müsste aber nicht auch gemeint sein, dass Väter ihre Familie besser mit ihrem Beruf vereinbaren und mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen können?
Mit reduzierten Arbeitspensen können Männer vermehrt die Verantwortung für Familien- und Hausarbeit übernehmen. Von einem «Papi-Tag» profitieren sowohl die Kinder wie auch die Papis. Und es ermöglicht den Frauen besser, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Die Möglichkeit für Männer Teilzeit zu arbeiten, ist somit Voraussetzung für partnerschaftliche Familienmodelle und eine gleichberechtigte Gesellschaft.
Eine repräsentative Untersuchung in der Schweiz im vergangenen Jahr hat gezeigt: 90 Prozent der befragten Männer möchten ihr Arbeitspensum reduzieren. Konkret arbeiten aber nur 13 Prozent aller Männer und 8 Prozent der Väter von kleinen Kindern Teilzeit. Punkto Teilzeitarbeit stimmen bei Männern also das Wollen und das Tun oft nicht überein.
Es gibt viele Gründe, weshalb Män­ner davor zurückschrecken, den Wunsch nach Teilzeitarbeit umzusetzen. Zunächst ist eine Einkommenseinbusse in Kauf zu nehmen, die meist nicht durch die zusätzliche Erwerbstätigkeit der Frau ausgeglichen werden kann, da Frauen bekanntlich weniger verdienen. Zudem wird (leider oft zu Recht) ein Karriereknick befürchtet. Einerseits werden viele Kaderstellen als Vollzeitstellen definiert. Anderseits wird den Teilzeit-Männern noch viel stärker als den Teilzeit-Frauen die Leistungsbereitschaft aberkannt.
Ein Umdenken bei Arbeitnehmern und Arbeitgebern ist nötig. So braucht es flexible Arbeitszeitmodelle, Teilzeitkaderstellen, Job-Sharing-Möglichkei­ten und nicht zuletzt eine Kultur, die auch die Familienarbeit wertschätzt. Es ist nämlich durchaus anspruchsvoll, sich um Kind und Haus zu kümmern, und fördert entsprechend zahlreiche Kompetenzen, die auch im Berufsleben nützlich sind. Das Umdenken findet aber nur statt, wenn solche Modelle zunehmend gelebt werden: Deshalb, liebe Männer, fordert Teilzeitarbeit, Home-Office-Tage und flexiblere Arbeitszeiten ein und geniesst die gewonnene Zeit mit euren Kindern!

Katrin Cometta aus Winterthur ist Gemeinderätin der Grünliberalen