Winterthurer Stadtanzeiger, «O-Ton» vom 15. April 2014

Dass Winterthur neue Wege in der Drogenpolitik sucht, wirft hohe Wellen und weckt Emotionen. Während viele diesen Schritt begrüssen, träumen andere weiterhin von einer drogenfreien Gesellschaft, die mittels Verbot und Strafe herbeireguliert werden kann. Zuerst die Fakten: Winterthur soll zusammen mit andern Städten in einem Pilotversuch erproben, wie eine Cannabislegalisierung ausgestaltet sein müsste, damit die Probleme, die sich im Umgang mit dieser Droge ergeben, am besten abgefedert werden können. Unter welchen Rahmenbedingungen kann ein wirkungsvoller Jugendschutz umgesetzt werden? Wie können wir den Schwarzmarkt, der zu organisierter Kriminalität führt, austrocknen? Wie können wir dafür sorgen, dass das Cannabis nicht durch Pestizide verunreinigt und noch gesundheitsschädigender wird? Wie kann der THC-Gehalt verringert beziehungsweise wie kann zumindest eine entsprechende Deklaration sichergestellt werden? Und wie können wir mündige Bürgerinnen und Bürger mit einem unproblematischen Konsum entkriminalisieren und die Polizei von unnötigen Aufgaben entlasten? Von verschiedener Seite wird uns ­Postulanten nun vorgeworfen, dass wir den Cannabiskonsum verharmlosen und dass wir uns eine Stadt voller Kiffer wünschen. Mitnichten. Aber es entspricht leider einfach nicht den Tatsachen, dass das Verbot von Cannabis dazu führt, dass nicht gekifft wird. Die repressive Drogenpolitik gewährleistet auch keinen effektiven Jugendschutz. Und sie führt nicht dazu, dass ein gesundes, abstinentes Leben in einer heilen Welt geführt wird. Die bisherige repressive Drogenpolitik hat die Probleme, die sich im Umgang mit Cannabis ergeben, nicht gelöst, im Gegenteil. Entsprechend ist es höchste Zeit, dass wir neue Wege suchen und dass wir unsere Ressourcen in Prävention statt Repression stecken.

Katrin Cometta aus Winterthur ist Gemeinderätin der Grünliberalen