Gemäss Bundesamt für Statistik sind 50% der Männer und 40% der Frauen der Ansicht, dass ein Kind im Vorschulalter darunter leidet, wenn die Mutter einer Erwerbsarbeit nachgeht. Doch: Ist das Glück der Kinder davon abhängig, ob die Betreuung ausschliesslich durch die Mutter oder (zusätzlich) durch andere Bezugspersonen gewährleistet wird? Oder zählt vielmehr ein liebendes Umfeld und Geborgenheit?
Aus eigener Erfahrung erlebe ich sowohl die Kinderkrippe als auch den Papi-Tag als positiv für die Entwicklung meiner Kinder. Widerspruch kommt auch aus der Wissenschaft: Eine Langzeitstudie des University College in London zeigt, dass Mütter ihren Kindern weder emotional noch sozial schaden, auch wenn sie bereits im ersten Lebensjahr der Kinder wieder arbeiten.
Doch die skeptische Grundhaltung der Schweizer Bevölkerung zeitigt Folgen: 31% der Frauen mit Kindern im Vorschulalter arbeiten nicht und 31% arbeiten weniger als 50%. Diesen Frauen entstehen teils erhöhte Hürden im beruflichen Wiedereinstieg und Lücken in der individuellen Altersvorsorge. Und auch der Fachkräftemangel wird dadurch verschärft. Folglich ist es weder sozialpolitisch noch volkswirtschaftlich sinnvoll, Frauen mit kleinen Kindern aus der Berufsarbeit zu verbannen. Vielmehr muss die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessert werden.
Unerwünscht ist übrigens auch der Gegentrend: Zwei Drittel der Frauen glauben, dass ein (weiteres) Kind die Berufsaussichten verschlechtert. Unmittelbare Folge: 30% der Frauen mit Hochschulabschluss bleiben kinderlos.

Winterthurer Zeitung, „Meine Meinung“ 8. April 2015