Der Landbote hat den bürgerlichen Gegnerinnen von Zielvorgaben bezüglich Frauenanteil im Kader der Stadtverwaltung viel Platz eingeräumt. In einem Punkt bin ich einig: Niemand will eine Quotenfrau sein. Das Ziel ist ja genau, dass sich die Frage nach dem Geschlecht gar nicht mehr stellt.

Die Ansicht, dass es qualifizierte Frauen «einfach so» in die obersten Hierarchiestufen schaffen, trifft leider in der heutigen Realität nicht zu. Der Markt richtet es nicht, das zeigen die Fakten. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Minderheiten, die mit weniger als einem Drittel vertreten sind, nicht nach objektiven Kriterien bewertet werden und dass nicht einfach die Leistung zählt. Marktversagen wird in einer liberalen Wirtschaftsordnung klassischerweise mit der Setzung von geeigneten Leitplanken aufgehoben. So wie eine Wettbewerbsbehörde Monopolbildungen in der freien Wirtschaft verhindert, sind Zielvorgaben ein wirksames Mittel, um Frauen den Eintritt in Führungspositionen zu ermöglichen.

Die Stadt muss als Arbeitgeberin Ziele zu ihrer Personalpolitik definieren. Warum soll das Ziel nicht auch die ausgewogene Vertretung der Geschlechter sein, zumal bekannt ist, dass gemischte Teams bessere Leistungen erzielen? Und wenn man ein Ziel hat, warum sollte dieses nicht messbar ausgestaltet sein?

Im Übrigen ist die Vorlage moderat ausgestaltet: Es sind keine Sanktionen vorgesehen, sondern lediglich eine Rechenschaftspflicht. Und den unterschiedlichen Ausgangslagen in den verschiedenen Departementen wird Rechnung getragen, indem individuelle Steigerungsziele vereinbart werden.

Als Initiantin der Motion hoffe ich auf eine sachliche Diskussion im Gemeinderat und auf die Zustimmung zum Stadtrats-Antrag.

Der Leserbrief bezieht sich auf einen Landbote-Artikel vom 11.10.18 und wurde im Landboten veröffentlicht.